Ein Hoch auf Kreuzworträtsel

Hier wieder eine kleine heitere Geschichte von meiner lieben Tante! Als ich sie heute vormittag besuchte, saß sie in ihrem Sessel am Tisch und hielt die Leselupe über ein Kreuzworträtsel.

Sie schien so beschäftigt und konzentriert, dass ich fast das Gefühl hatte, ich würde sie mit meinem Besuch stören. Als sie mich erkannte, freute sich sich aber und forderte mich auf, mich zu ihr zu setzen. Um den Einstieg in die Unterhaltung leichter zu gestalten, schaute ich neugierig auf das Kreuzworträtsel und las laut ein paar Fragen vor. Ich war richtig erstaunt, wie schnell die Antworten aus der Tante "herausschossen". 

 

Ich fragte um Erlaubnis, die Antworten auch in das Rätsel eintragen zu dürfen und schon waren wir mitten im Rätsel-Lösen! Das Rätsel war - würde ich sagen - klassisch, damit meine ich, dass die altbekannten Fragen wie "Papageienart mit 3 Buchstaben", "Sänger Jürgens Vorname", "engl. Anrede" etc. gestellt waren. Ich trug die Antworten ein und meine Tante hatte Spaß, weil sie selbst darüber lachen musste, dass von irgendwo her die Antworten treffsicher kamen und sie aber in anderen Situationen schon ein bisschen vergesslich sein konnte. Ihr war es auch angenehm, dass sie nicht selbst schreiben musste. Es war eine gute Unterhaltung! 

 

Wir spielten schon 15 Minuten, als die Suppe - heute Cremesuppe - serviert wurde. Die Tante bestand darauf, dass wir weiter spielen und so kamen wir während der Suppe zur Frage "Zauberwurzel, Erdmännchen". Ich hatte gar keine Zeit nachzudenken, rief die Tante schon "Alraun". Ich war begeistert und lobte sie. Sie meinte beschwichtigend, das wäre eine häufige Frage. Bei dem Wort "Alraun" klingelte in meinem Kopf die Erinnerung an eine Geschichte aus dem Alten Testament, die ich in Michael Köhlmeier's Bibelgeschichten gehört hatte. (Köhlmeier's Sagen, Geschichten Märchen begleiten mich immer auf langen Autofahren als HörCDs) Ich beschloss, die Geschichte von Rahel und Jakob zu erzählen, in der die Alraun eine wichtige Rolle spielt.

 

Ich legte also los: Rachel, die schöne Frau von Jakob, die er über alles liebte, gebar ihm nämlich lange keinen Sohn. Damit sie leichter fruchtbar wird, wurde ihr geraten, eine Medizin aus der Alraunwurzel zu nehmen. Endlich gebar sie zuerst Josef und dann - laut Bibelgeschichten war sie schon 100 Jahre alt - den zweiten Sohn Benjamin. (Ich kann mich total für diese Geschichten aus dem Alten Testament begeistern!).

Die Tante, 94 Jahre und kinderlos, mit dem Cremesuppen-Löffel in der Hand rief, als sie das hörte, nur: "Na, da hab' ich ja noch Aussichten!"

 

Wir mussten beide herzlich lachen und waren uns einig, dass Kreuzworträtsel eine durchaus tiefsinnige Beschäftigung sei.

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