Wie funktioniert Vergebung

Hier also meine Gedanken zur Vergebung. Seit dem Gespräch mit meiner Tante im Altersheim stosse ich immer wieder auf dieses Thema. Dabei gewinne ich den Eindruck, dass es in vielen Ecken des Lebens, ja - natürlich auch meines Lebens -, um Vergebung geht.

Hier meine Recherchen und Überlegungen:

 

Zuerst mal: was ist Vergebung?

 

Vergebung ist ein Reinigungsprozess, der

2 Parteien wieder auf gleiche Augenhöhe bringt. 

 

Warum braucht man überhaupt Vergebung?

 

Weil wir alle nicht perfekt sind, kommt es zwischen Menschen oft durch verletzende Worte und Handlungsweisen zu kleineren oder großen Wunden. Das heißt, zuerst entsteht einmal ein Unrecht.

 

Wenn nun beide Seiten in ihren Vorwürfen oder Verletzungen verharren, kommt es zur Unversöhnlichkeit, zu Verbitterung und Groll, die Fronten verhärten sich. Unversöhnlichkeit zerstört aber zwischenmenschliche Beziehungen. So ist der Kern des Vergebungsprozesses für mich die Wiederherstellung der menschlichen Beziehung zwischen den beiden Parteien. Durch Vergebung wird innere Heilung möglich und somit kann die Erinnerung an das widerfahrene Unrecht aufgearbeitet werden. Da muss ich gleich wieder an Frau F. und ihre Weisheit denken: "Wer keine Vergebung übt, schadet in erster Linie sich selbst."

 

Wie geht das jetzt also, das mit der Vergebung?

 

Eine für mich neue Erkenntnis bei dem Thema Vergebung ist, dass für den Vergebungsprozess kein Gegenüber notwendig ist. Das bedeutet, dass man für den Start in die Vergebung nicht die physische Anwesenheit der anderen Seite benötigt. Es ist ein innerer Prozess. (nachzulesen bei Melanie Wolfers, Die Kraft der Vergebung)

 

Am Anfang steht die Entscheidung zum Vergebungsprozess. Das bedeutet, dass man sich innerlich auf den Weg macht, der Person, die einem das Unrecht zugefügt hat zu vergeben oder, wenn man selbst das Unrecht begangen hat, diese Schuld zuzugeben und um Vergebung zu bitten. So hat man schon einen grossen Schritt getan, dem ein weiterer Schritt im Außen folgen kann.

 

In meiner Welt gibt es auch Situationen, in denen die "Schuldfrage" so gut wie gar nicht zu klären ist, weil beide Parteien sich von der jeweils anderen Seite unrecht behandelt fühlen. Hier gilt: wem immer es leichter fällt, der strecke zuerst die Hand aus und formuliere: "es tut mir leid". Uiuiui, schon beim Schreiben spüre ich den Schweregrad dieser Übung! Aber sie wirkt Wunder!

 

Sie bringt wieder auf gleiche Augenhöhe und ich behaupte sogar, dass diese Überwindung auch das "Sich-Zueinander bewegen" der Menschen unterstützt und sich so die Liebe in den Herzen der Betroffenen besser ausbreiten kann.

 

Ein hartnäckiger Fehlglaube (woher kommt der eigentlich?) ist, dass Vergeben auch Vergessen bedeutet. Vergeben heisst nicht Vergessen und schon gar nicht, das Gewesene gutheißen. Es ist nur ein bewusster Schritt, das Gewesene zu verarbeiten und ans Licht zu bringen. Vergebung heißt "nach vorne leben".

 

Denn, wie Martin L. King es formuliert: Das Prinzip „Auge um Auge“ und „Zahn um Zahn“ hinterlässt auf beiden Seiten nur Blinde und Zahnlose.

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