Così Fan Tutte

Da hat mich doch eine Mozart Oper über Treue und Beziehung  sinnieren lassen! Ich frage mich, ob das Mozarts Absicht war?

Am Donnerstag letzter Woche hatte ich das Vergnügen eine schöne Aufführung von Mozart's Così Fan Tutte zu erleben. Die Darbietung war konzertant, was neben dem Zuhören viel Raum zum Nachdenken ließ, weil man nicht von Kostümen oder schauspielenden Sängern abgelenkt war.

Obwohl ich die Geschichte schon kannte, war ich wieder verstört, um nicht zu sagen - empört von der Mozart'schen Idee der Überprüfung der Treue von Ehefrauen im Namen der Liebe. Für diejenigen, die sich an den Inhalt nicht erinnern: 2 Paare, verliebt, verlobt, die beiden Männer, von der Treue ihrer Frauen überzeugt, lassen sich auf eine Wette mit einem dritten Mann, einem "Freund" ein, der die Untreue der Frauen beweisen will. Die 2 Männer müssen verkleidet als Liebhaber ihre Frauen verführen, was ihnen auch gelingt. Gott-sei-Dank gibt es ja dann die Aufklärung im Libretto, dass im Falle von Untreue der Frauen, die Schuld bei den Männern zu suchen sei. Das beruhigt aber nur kurzzeitig. Die finale Mozart'sche Sichtweise ist dann so, dass Männer und Frauen sich nichts schuldig bleiben und wenns kompliziert wird, soll man als Lösung heiraten. Denn - so machen es alle - cosi fan tutte!

 

Ok, das gibt genug Stoff zum Nachdenken! Ich glaube nicht, dass sich Mozart und Da Ponte, sein Librettist, das nur zur Unterhaltung und für ein paar Lacher ausgedacht haben. Ich bin sicher, er wollte genau das: dass ich nach dem Lauschen der Musik nach Hause gehe und nachdenke.

 

Nachdenke über: Treue, Ehe, was ist für mich wichtig in der Liebe? Lieber Wolfgang Amadeus, ich weiß, dass ich weder auf Treue überprüft werden will, noch selber Treue prüfen will.

Was bedeutet also Treue? 

 

Nachdem ich als Kind gelernt habe, bei Unklarheiten immer im Lehrbuch nachzulesen, konsultiere ich das Lexikon und Wikipedia. Da finde ich Antworten wie: Tugend der Beständigkeit im sittlichen Leben (I love this one!), Festhalten an einer eingegangenen Bindung und - halt - das ist wichtig: basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Aha, nachdem Treue und Vertrauen sprachlich verwandt sind, folge ich diesem Pfad.

 

Und langsam entsteht eine Formel in meinem Kopf. Eine Beziehung beginnt mit Liebe, die neben Anziehung nach meiner Überzeugung vor allem gegenseitige Ehrlichkeit bedeutet. Ich meine, dass ich geliebt bin, wenn mich jemand ernst nimmt, wenn jemand zu sich und mit mir ehrlich ist, ein Austausch von Gedanken und Gefühlen da ist und mir jemand zuhört ohne mich zu verurteilen. Die Ehrlichkeit miteinander schafft Vertrauen, das im Idealfall eine Bestätigung oder Verlängerung eines bereits mitgebrachten Urvertrauens darstellt. Man spürt sich gegenseitig besser. Aus diesem Vertrauen kann Treue entstehen.

 

Es handelt sich aber nicht um eine Garantie! Treue kann keine Bedingung für die Liebe sein, wahre Liebe übt niemals Zwang aus und hat keine Bedingungen. Ich will Beziehung und frei sein. Wenn ich Fehler mache, möchte ich um Vergebung bitten können. Ich wünsche mir auch, dass ich selbst vergeben kann. Ich will, dass beide in der Beziehung das Wagnis der Ehrlichkeit auf sich nehmen. 

 

Hier zum Mitschreiben oder Kopieren nochmal die Formel:

Urvertrauen - Liebe - Beziehung - Ehrlichkeit - Vertrauen - Treue - Fehler - Vergebung - Liebe usw.

 

Diese Formel ist eine wunderbare Erkenntnis für mich. In der Liebe nicht nach Regeln und Prinzpien suchen, sondern nach Beziehung, nach einem Weg, zusammen zu sein. (...das muss ich gleich meinen Mann lesen lassen!) Danke Mozart!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0