Der Baum der Wünsche

Vor ca. 6 Monaten hatte jemand aus dem Bezirk die Idee, aus einem von der Gemeinde Wien neu gepflanzten Bäumchen von zarten 2,5 m Höhe einen „Baum der Wünsche“ zu machen. (Falls ihr den Baum sucht, er steht auf der Höhe Gersthoferstraße 103 in 1180 Wien). Das muss man sich so vorstellen: der Baum trägt ein Schild „Baum der Wünsche“, am kleinen Zaun um den Baum herum hängen senfgelbe Zettel, die man mit seinem Wunsch befüllen und dann an einen Ast hängen kann.

Obwohl ich einen solchen Wunschbaum schon mal in Frankreich gesehen habe und die Idee kannte, musste ich immer schmunzeln, wenn ich daran vorbeiging. Mein skeptischer Geist fragte sich:„WER bitte (ist wohl so peinlich und) hängt da einen Wunsch-Zettel auf?“ Trotzdem gefiel mir die Idee, der Baum trug immer mehr Wünsche und ich empfand eine gewisse Bewunderung für den unbekannten kreativen Erfinder des Baumes.

 

Vor ein paar Wochen, als ich zu Fuß in Begleitung meiner Töchter stadteinwärts unterwegs war und mir gerade im Gehen den Kopf über aktuelle Schulthemen der Kinder zerbrach, lief ich wieder einmal am Wunschbaum vorbei und beobachtete, wie die beiden Mädchen einen abgefallenen Wunschzettel aufhoben und lasen. Wahrscheinlich war der gelbe Zettel im Regen naß geworden und der Wind hatte ihn abgerissen. Ich sah, wie die Mädchen sich gegenseitig anschauten und irgendwie von dem Zettel beeindruckt waren. Nachdem ich neugierig bin, wollte ich den abgefallenen Wunsch auch lesen. Meine jüngere Tochter reichte ihn mir wortlos. Auf dem verwitterten gelben Wunschzettel stand in einer krakeligen Kinderschrift nur ein Satz geschrieben: "Ich wünsche mir dass meine Mama nicht mehr trinkt". Seitdem schmunzle ich nicht mehr, wenn ich an dem Baum vorbeikomme und bete, dass dieser Kinderwunsch "in die Füllung" geht (..wie meine Tochter das immer genannt hat). Wanna join?

(Nachtrag vom 1. April 2014: der Wünschebaum wurde in einen Osterbaum umgewandelt)

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Kommentare: 1
  • #1

    Norli (Donnerstag, 27 März 2014 15:58)

    ...da kommen mir die Tränen...ich bete mit.